Hans-Werner Gassmann


Dialog - Hans-Werner GassmannDialog - Hans-Werner GassmannDialog, Mai 2000

Große Wand: »2. Kreuz«
Kleine Wand: »abgehangen«
Chrom-Vanadiumstahl - Schmiedegrat geschweißt
225 x 136 x 7 cm und 146 x 124 x 23 cm

Vor etwa zweieinhalb Jahren fiel mir die besondere lamellenartige Struktur von Schmiedegraten auf. Bei den ersten Versuchen, diese zusammenzulegen, sah ich die Möglichkeit, mit den Lamellen »in Stahl zu zeichnen«.

Schmiedegrate entstehen beim Schmieden von Formteilen, wie z.B. Zangen oder Scheren; sie stellen also den Materialüberschuss dar. Gewollt ist, dass das Material unbehandelt bleibt. Die besondere bläuliche Farbgebung der Zunderschicht sowie die auftretenden Roststellen sollen auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisen.

Der Grat ist ein Abfallprodukt, das im Stahlwerk wieder eingeschmolzen wird. Die in den beiden Objekten verwendeten Grate stammen aus Schmieden in Wuppertal und dem Bergischen Land, wo Schmieden traditionell zu Hause sind. Mit dem Fertigen der Kreuze aus diesen Lamellen sollte bewusst ein Bezug zur Region geschaffen werden.

Meine Nähe zum Kreuz ist aber nicht nur durch den regionalen Bezug des Materials gegeben, sondern auch durch schmerzliche Erfahrungen in meiner Biographie.

Der äußere Anlass, das 1. Kreuz zu fertigen, war vor einem Jahr die Amtseinführung eines Pfarrers. Bei der Betrachtung nach der Fertigstellung fiel mir die Möglichkeit auf, die Reliefstruktur noch stärker herauszuarbeiten. Durch den betont verstärkten Reliefaufbau hat das 2. Kreuz an Ausstrahlung und Interpretationsmöglichkeiten hinzugewonnen.

Im Umgang mit meinen Schülern und deren Einstellung zu Traditionen entstand bei mir die Frage nach der Bedeutung des Kreuzes in unserer Gesellschaft: Alles veraltet schnell und wird dann zur Seite gelegt, abgelegt, »abgehangen«. Geschieht dies auch mit dem Kreuz?

Hans-Werner Gassmann

Kreuz 1Kreuz 1

Kreuz 2Kreuz 2