Lebenslauf

Lebenslauf


Am 31. Mai 1964 wurde ich in Freiburg geboren. Ein halbes Jahr später zogen meine Eltern aus beruflichen Gründen nach Brüssel in Belgien.

Von 1969 bis 1983 besuchte ich die Deutsche Schule Brüssel, die ich mit dem Abitur abschloss. Durch regelmäßigen Kontakt mit belgischen Schülern habe ich Niederländisch und Französisch gelernt. Der Schüleraustausch mit einer benachbarten englischsprachigen Schule und drei zwei-wöchige Sprachkurse in England trugen zur Vertiefung mei¬ner Englischkenntnisse bei.

Auf einer dreiwöchigen Reise im Sommer 1983 durch die damals noch bestehende DDR fasste ich den Entschluss, Theologie zu studieren. Die Notwendigkeit eines Lebensraumes, innerhalb dessen die wirklich drängenden Fragen frei angesprochen werden können, ist mir dort unter den damaligen Umständen einer Minderheitenkriche zum ersten Mal besonders anschaulich vor Au-gen getreten.

Vom Wintersemester 1983/84 bis zum Sommersemester 1987 studierte ich an der Universität Tübingen Evangelische Theologie. Im Anschluss daran setzte ich mein Studium an der Univer¬sität Bonn fort und schloss diese Ausbildungsphase im Frühjahr 1991 mit dem ersten kirch¬lichen Examen der Evangelischen Kirche im Rheinland ab.

Im Studium ging es mir darum, eine praxisnahe Theologie auszubilden, die den gesellschaftspoli-tischen Realitäten standzuhalten vermag. Dabei bot mir das Lehrstück vom „Priestertum aller Gläubigen" immer wieder den Ausgangspunkt für das kritische Hinterfragen der kirchlichen Pra-xis in der Vergangenheit und Gegenwart.

Ein Schwerpunkt meines Studiums lag auf dem Alten Testament. Die hebräische Sprache und die hintergründige Erzählweise der Geschichtsdarstellung weckten mein besonderes Interesse.

Den zweiten, praktischen Teil meiner Ausbildung zum Pfarrberuf absolvierte ich vom September 1991 bis September 1993 als Vikar in der Aufer¬stehungsgemeinde Oberhausen-Osterfeld, an-schließend legte ich das zweite kirchliche Examen ab. In Oberhausen-Sterkrade war ich vom Sep-tember 1993 - September 1994 Pastor im Hilfsdienst. Dort wurde ich im Juni 1994 ordiniert.

In dieser Phase der Ausbildung ging es mir darum, die Auslegung der Bibel zu „demokratisieren" und gemeinsam mit den Gemeindegliedern danach zu fragen, welche Bedeutung der jeweilige Bi-beltext in der Gegenwart gewinnen kann. Die Erfahrungen vieler Menschen in diesen Gemein-den waren von dem Strukturwandel im Ruhrgebiet geprägt. Regelmäßig stattfindende Predigt-vorgespräche waren eine geeignete Möglichkeit, den Dialog zwischen biblischen Texten und heu-tigen Lebenserfahrungen zu führen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmen-den war es möglich, die Vielschichtigkeit der Erzählungen und Gedichte der Bibel zu nutzen.

Um einen solchen Umgang mit der Bibel wissenschaftlich fundieren zu können, entschloss ich mich, im Fach Altes Testament zu promovieren. Am 1.Oktober 1994 beantragte ich meine Ent-lassung aus dem kirchlichen Dienst, da sich für dieses Projekt ein Auslandsaufenthalt nahe legte. Das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland ließ mir damals leider keine an-dere Wahl.

Die Ordination verpflichtete mich dazu, auch weiterhin die Verwaltung der Sa¬kramente und an-dere pastorale Aufgaben wahrzunehmen. Die Kirchengemeinde Oberhausen-Sterkrade und die Johanneskirchengemeinde in Düsseldorf haben mir darum einen Predigtauftrag erteilt, dem ich regelmäßig nachgekommen bin.

Von dem Sommersemester 1995 an arbeitete ich begleitet von Herrn Prof. Dr. Crüsemann an der Kirchlichen Hochschule Bethel an meiner Dissertation über die Jakoberzählung. Um die Hand-habe leserorientierter Auslegungsmethoden zu erlernen, verbrachte ich das Studienjahr 1995/96 am Biblical Department der University of Sheffield/GB. Mit dem Winter¬semester 1996/97 setzte ich meine Arbeit an der Kirchlichen Hochschule Bethel fort, um diese Textzugänge für einen wissenschaftlich verantworteten Umgang mit der uns heute vorliegen¬den Endgestalt des bibli-schen Textes fruchtbar zu machen. Methodisch ging es bei diesem Projekt darum, die Ergebnisse synchroner und diachroner Interpretationsverfahren jeweils aufeinander zu beziehen. Das Rigo-rosum erfolgte am 26. Juni 1999. Im Jahr 2000 erschien die Arbeit in leicht überarbeiteter Form in der Reihe "Herders Biblische Studien" (siehe Veröffentlichungsverzeichnis).

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Dissertation liegt auf der hochdiffenzierten Auseinanderset-zung der biblischen Jakoberzählung mit den Fragen der Traditionsweitergabe von einer Genera-tion zur nächsten. Von dort aus bot es sich an, die Tora insgesamt unter diesem Aspekt zu be-trachten.
Von Juli 1999 bis März 2006 arbeitete ich an meinem Habilitationsprojekt "Geschichte neu er-zählt. Eine kanonorientierte Untersuchung der Mosereden im Deuteronomium". In dieser Arbeit habe ich die bewusste Inszenierung der Geschichtsdarstellung aus der Perspektive des Mose un-tersucht. Sie führt dem Leser vor Augen, wie Erinnerung der Zukunft dienen kann. Die Arbeit habe ich an der Kirchlichen Hochschule Bethel eingereicht. Das Habilitationsverfahren ist im Sommersemester 2007 abgeschlossen worden. Die Arbeit ist 2008 unter dem Titel: "Die Moser-eden im Deuteronomium. Eine kanonorientierte Untersuchung" in der Reihe FAT I erschienen.

Die während der Erstellung der Arbeiten gewonnenen Einsichten konnte ich in einem im WS 2001/2002 gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Crüsemann veranstalteten Seminar "Geschichte und Mythos im Alten Testament" vertiefen.

Für mich besonders wertvolle Lehrerfahrungen sammelte ich bei der Vertretung des Hebräisch-dozenten der Kirchlichen Hochschule Bethel, Dr. Stefan Schorch, in den Sommersemestern 2001 und 2003. In beiden Kursen habe ich besonderen Wert auf die Vermittlung der Fremdheit der hebräischen Begrifflichkeit gelegt. Ihr in einem biblischen Text nachzugehen, stellt m.E. in der Vorbereitung auf Predigt- und Schuldienst eine unverzichtbare Grundlage dar. Es ging mir darum, den Bezug zum Urtext als einen zentralen Grundbaustein protestantischer Tradition plau-sibel zu machen, den es dringend zu erhalten und wieder auszubauen gilt, da ansonsten die kirch-liche Verkündigung theologisch zu verblassen droht.

Außerdem war ich von 2000-2002 als Redakteur der Fachzeitschrift "Evangelische Theologie" tätig. Bei der Zeitschrift "Junge Kirche" bin ich seit 2003 Mitglied des Redaktionsrates.

Seit August 2005 habe ich eine halbe Schulpfarrstelle am Comenius-Gymnasium in Düsseldorf inne und unterrichte dort alle Jahrgangsstufen, überwiegend die Oberstufe. Berufsbegleitend ha-be ich mich regelmäßig auf religionsdidaktischem Gebiet fortgebildet.

Zwischen dem Sommersemester 2007 und dem Sommersemester 2009 nahm ich einen Lehrauf-trag an der Ruhr-Universität-Bochum wahr. Er umfasste sowohl Lehrveranstaltungen im Rah-men des herkömmlichen Studiengangs für Pfarrer und Pfarrerinnen als auch Kurse der neu ein-gerichteten BA / MA - Module der Lehramtsstudiengänge. Hier hatte ich die Gelegenheit, weite-re Lehrerfahrungen zu sammeln und meine hochschuldidaktischen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vertiefen.

Im Frühjahr 2007 erweiterte sich der Herausgabekreis der "Bibel in gerechter Sprache", dessen Mitglied ich seitdem bin. Für mich ist dieses Projekt ein Meilenstein auf dem Weg hin zu einer Demokratisierung der Schriftauslegung. Feministisch-theologische Inhalte und Fragestellungen des christlich-jüdischen Gesprächs, die bisher meist nur in einem akademischen Rahmen debat-tiert wurden, werden jetzt auf breiter Ebene in den Gemeinden und Feuilletons diskutiert.

Zu meiner privaten Situation: Seit dem Juni 1997 bin ich verheiratet mit Doris Taschner, geb. Packroff, die als Pfarrerin in der Matthäi-Kirchengemeinde in Düsseldorf tätig ist.


Fremdsprachen:
Französisch, Englisch und Niederländisch fließend in Wort und Schrift
Hebräisch, Griechisch, Latein und auch Aramäisch und Ugaritisch